Typisch für Chamäleons ist ihre Schleuderzunge. Sie ist in der gesamten Natur einmalig. Sie kann eine Zugkraft von etwa 0,4 Newton(N) aufbringen (Dischnerscher Versuch mit Chamaeleo montinum 1958) Die Zunge ist zusammengezogen im Kehlsack auf dem Zungenbein, einem Sesambein. Sie ist nicht aufgerollt, sondern ist mit einem kurzen Stück Gummiband vergleichbar. Das Zungenbein ist mit zwei Gelenken ausgestattet, die den gesamten Knochen nach vorne schieben können. Im Falle eines Zungenschusses wird das Zungenbein nach vorne geschoben und die Muskulatur der Zunge angespannt, wodurch die Zunge aus dem Maul herausschnellt. Dieser Vorgang geschieht in einer Zehntelsekunde. Dadurch hat das Beutetier keine Chance zu fliehen.

Damit das Beutetier mit der Zunge zurück in das Maul schnellt, ist sie mit einem Sekret benetzt. Dieses Sekret ist nicht klebrig, sondern hilft durch eine große Oberflächenspannung nur, die Beute an die Zunge zu haften. Außerdem ist das Ende der Zunge verdickt und teilt sich in zwei Lappen. Hiermit wird dann das Opfer umschlossen.

Die 5 Phasen des Zungenschusses

  • Das Beutetier wird fixiert und auf Größe, Form und Art geprüft, Ermittlung des Abstandes zwischen Jäger und Gejagtem
  • Das Maul öffnet sich langsam, die Zunge wird vorbereitet und ein Stück nach vorne geschoben
  • Die Zunge wird abgeschossen
  • Das Beutetier wird ergriffen
  • Die Beute wird ins Maul gezogen, im Maul festgehalten, während sich die Zunge in den Kehlsack zurückzieht. Dann wird die Beute als Ganzes hinuntergeschluckt

Ebenfalls wird die Zunge für die Wasseraufnahme genutzt. Manche Arten lecken das Wasser von Blättern, manche nutzen sie als eine Art Wasserleitung, indem sie die Zunge an Blätter oder Äste legen, über die Wasser fließt. So läuft das Wasser auf diese Weise direkt ins Maul. Manche Arten, die auf langsame Beutetiere wie Schnecken spezialisiert sind, brauchen den Zungenschuss nicht. Sie greifen die Beute direkt mit dem Maul.